Einstieg
Datenschutz
Was mit deinen Daten passiert, warum ich mich trotzdem für diesen Weg entschieden habe, und was nie in den Ordner gehört.
Kurzfassung
- Alles, was du Claude gibst (Text, Dateien, Ordnerinhalte), wird an die Server von Anthropic in den USA übertragen und dort verarbeitet.
- Du kannst in den Einstellungen abschalten, dass deine Chats zum Trainieren der Modelle verwendet werden. Mach das als Erstes.
- Alles im verbundenen Ordner geht mit, nicht nur das, was du in den Chat tippst. Bei einem Gesuch ist das auch nötig: Claude kann die Beträge nur gegen die Belege prüfen, wenn er die Belege sieht.
- Vier Dinge gehören trotzdem nie hinein: AHV-Ausweis, Bankkarten, Passwörter, Unterlagen anderer Personen.
- Das ist meine Abwägung, nicht die einzig richtige. Lies diese Seite und entscheide für dich.
Was technisch passiert
Claude läuft nicht auf deinem Computer. Jede Nachricht, jede hochgeladene Datei und in Cowork jede Datei, die Claude aus deinem Ordner liest, wird an Anthropic übertragen und dort verarbeitet. Bei Bewerbungen und Gesuchen sind das zwangsläufig persönliche Daten: Name, Adresse, Lebenslauf, deine finanzielle Situation.
Anthropic ist ein Unternehmen in den USA. Es gelten dessen Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung, nicht das Schweizer Datenschutzgesetz allein. Die Daten liegen für die Dauer, die in der Datenschutzerklärung steht, auf den Servern des Anbieters; gelöschte Chats werden nach einer Frist entfernt.
Die Bedenken, ehrlich aufgezählt
- Kontrollverlust: Einmal übertragen, kannst du die Daten nicht mehr «zurückholen». Löschen ist möglich, aber du musst dem Anbieter vertrauen, dass es passiert.
- Training: Standardmässig können Chats von Privatkonten zum Verbessern der Modelle verwendet werden. Das lässt sich abschalten (siehe unten), aber du musst es aktiv tun.
- Sensible Kategorien: Angaben zur Gesundheit oder zu Schulden sind besonders schützenswert. Schulden stehen in einem Gesuch zwangsläufig drin; Angaben zur Gesundheit braucht keine der Aufgaben.
- Chrome-Erweiterung: Wenn Claude in deinem Browser arbeitet, sieht er die Seiten, die du freigibst, inklusive eingeloggter Bereiche. Ein falsch gesetztes Häkchen, und er liest mehr, als du wolltest.
- Dritte: In den Unterlagen tauchen auch andere Menschen auf (Referenzen, Familie, Vermieter). Deren Daten gibst du mit.
Warum ich es trotzdem mache
Ich habe lange darüber nachgedacht und bin bei zwei Argumenten gelandet:
- Die Arbeitserleichterung ist für mich gross. Wenn sich Papierkram stapelt, entscheidet die Hürde darüber, ob ein Gesuch überhaupt abgeschickt wird. Ein nicht geschriebenes Gesuch schützt keine Daten, es bringt mich nur nicht weiter.
- Ein grosser KI-Anbieter hat kaum ein Interesse an meiner persönlichen Lage. Ich bin einer von Millionen Nutzern. Das Risiko, dass jemand gezielt meine Gesuche liest, halte ich für klein. Das Risiko einer Datenpanne ist nicht null, aber ich nehme es in Kauf.
Das ist eine Abwägung, kein Freipass. Wer ein höheres Schutzbedürfnis hat, etwa wegen eines laufenden Verfahrens, sollte das mit dem Sozialdienst oder einer Beratungsstelle besprechen, bevor er Dokumente hochlädt.
Was in den Ordner gehört und was nicht
Früher stand hier eine Liste mit «unproblematisch». Die habe ich gestrichen, weil sie den falschen Schluss nahelegte: dass alles ausserhalb der Sperrliste harmlos sei. Das stimmt nicht. Alles, was im verbundenen Ordner liegt, geht an Anthropic — auch die Kontoauszüge und Steuerrechnungen, die ein Gesuch nun einmal verlangt.
Die brauchbare Frage ist darum nicht «ist das heikel?», sondern «wer muss das sehen?»:
Nie in den Ordner
- AHV-Ausweis. Die Nummer identifiziert dich lebenslang gegenüber Ämtern und Versicherungen; mit Geburtsdatum und Adresse reicht sie, um in deinem Namen Anträge zu stellen.
- Bankkarten, Kredit- und Debitkartennummern samt Ablaufdatum
- Passwörter und Login-Daten (die Chrome-Erweiterung braucht sie nicht, du bist selbst eingeloggt)
- Unterlagen anderer Personen, die es nicht wissen
Hinein, was Claude zum Rechnen braucht
- Rechnungen, Leistungsabrechnungen, Mahnungen, Budget, Betreibungsauszug
- Lebenslauf, Zeugnisse, Diplome
- Absagen und Bescheide, auf die sich das Gesuch bezieht
- Kurz: alles, wogegen er eine Zahl oder eine Aussage prüfen können muss
Draussen, was nur der Empfänger braucht
- Dein IBAN auf dem fertigen Gesuch: Claude schreibt
[IBAN], du setzt sie am Schluss selbst ein - Beilagen, die nur mitgeschickt, aber nicht ausgewertet werden
- Das kommt erst beim Versand dazu, von Hand
Du musst das nicht im Kopf entscheiden. Claude schaut beim ersten Mal in den Ordner und sagt ungefragt, wenn etwas darin liegt, das für diese Aufgabe niemand braucht. Und er sagt dir, welche Unterlagen für deine Aufgabe fehlen. Die Sortierung läuft im Gespräch, nicht als Hausaufgabe vorher.
Angaben zur Gesundheit: Keine der Aufgaben braucht sie. In der Schweiz musst du sie weder Vermietern noch Arbeitgebern, Ämtern oder Stiftungen nennen. Arztberichte gehören darum nicht in den Ordner, und Claude fragt nicht danach. Einzig bei Gesuchen für Krankheitskosten kann ein kurzer, allgemeiner Satz der Stiftung ein besseres Bild geben — wenn du das willst. Pflicht ist es nie.
Warum die IBAN nicht so heikel ist wie die AHV-Nummer
Eine berechtigte Frage, die mir gestellt wurde: Was kann jemand mit meiner IBAN anrichten? Ehrliche Antwort: wenig. Mit der IBAN allein kann niemand Geld von deinem Konto holen; sie ist zum Empfangen da, und du gibst sie jedem Arbeitgeber und jeder Stiftung. Die Restrisiken sind indirekt:
- Lastschriften: Im EU-Raum kann ein Händler mit einer IBAN eine Lastschrift auslösen, die du acht Wochen lang zurückholen kannst. In der Schweiz braucht jede Belastung (LSV, eBill) deine Zustimmung bei der Bank.
- Glaubwürdigeres Phishing: Wer Name, Adresse und IBAN kennt, kann eine täuschend echte Mahnung oder «Rückzahlung» fälschen. Das ist das eigentliche Risiko bei einem Datenleck: die Kombination, nicht die einzelne Nummer.
- Datensparsamkeit: Der einfachste Grund für den Platzhalter: Claude braucht die Nummer nicht, um den Brief zu schreiben. Was nicht übertragen wird, kann nicht verloren gehen.
Die AHV-Nummer ist eine andere Kategorie. Sie identifiziert dich lebenslang gegenüber Ämtern, Versicherungen und Arbeitgebern, und zusammen mit Geburtsdatum und Adresse reicht sie, um in deinem Namen Anträge zu stellen. Darum bleibt sie draussen, auch wenn ein Formular sie verlangt: Feld leer lassen, von Hand ergänzen.
Platzhalter statt Klarnamen
Wo eine heikle Angabe im fertigen Brief stehen muss, schreibt Claude einen Platzhalter wie [IBAN] oder [AHV] hinein und lässt ihn stehen. Am Schluss setzt du die echten Werte selbst ein — mit einem kleinen Programm, das alle Word-Dateien im Ordner auf einmal durchgeht und dabei ohne Internet auskommt. Wie das geht, steht unter Platzhalter einsetzen. Das kostet zwei Minuten und hält die heikelsten Daten komplett aus dem System.
Einstellungen, die du am ersten Tag setzen solltest
- Modelltraining abschalten: Einstellungen → Datenschutz → «Zur Verbesserung von Claude beitragen» (oder ähnlich benannt) ausschalten. Die genaue Bezeichnung ändert sich; suche nach «Training».
- Chrome-Erweiterung: Berechtigungsmodus «pro Website fragen» belassen. Keine pauschale Freigabe.
- Alte Chats löschen, sobald ein Gesuch abgeschickt ist. Was du brauchst, steht ohnehin in deinen Dateien.
- Erinnerungsfunktion prüfen: Claude merkt sich Dinge über Chats hinweg. Unter Einstellungen → Erinnerung siehst du, was gespeichert ist, und kannst Einträge löschen.
Zur Chrome-Erweiterung: Sie ist bequem, aber die grösste Öffnung nach aussen. Ich benutze sie nur für Bewerbungsportale und Inserate-Seiten, nie parallel zu E-Banking oder Krankenkassen-Login im selben Browserfenster.
Und die anderen Anbieter?
Bei ChatGPT (OpenAI, USA) und Grok (xAI, USA) ist die Ausgangslage dieselbe: Übertragung ins Ausland, Trainingsnutzung standardmässig an, abschaltbar in den Einstellungen. Ein Anbieter mit Servern in der Schweiz oder der EU wäre aus Datenschutzsicht besser, kann aber die Ordner-Workflows (Stand heute) nicht in dieser Form. Mehr dazu unter ChatGPT & Grok.